Betrug, Falschspiel und Manipulation im (Online) Casino

Wenn in einem Casino viel Geld zu holen ist, dann zieht das natürlich nicht nur Spieler an. Auch Gauner und Ganoven kommen früher oder später auf die Idee, sich in einer Spielhalle zu bedienen. Davon betroffen sind nicht nur die klassischen Casinos, in denen entweder mit Falschspiel oder Überfällen Beute gemacht wird, sondern immer mehr auch Online Casinos im Internet. Die Tricks der Betrüger werden immer raffinierter und gerade in der digitalen Welt müssen auch die ehrlichen Spieler selbst auf der Hut sein. Welche Fälle in den letzten Jahren für Aufregung gesorgt haben und was in Zukunft zu erwarten ist, soll Thema dieses Artikels sein. Doch zunächst werfen wir einen Blick auf die reale Welt, um das Verbrechen besser verstehen zu können.

Gelegenheit macht Diebe

Wer an Casinos und Verbrecher denkt, hat unweigerlich den Film Ocean’s Eleven im Kopf. Ein Klassiker der Filmgeschichte, in dem Danny Ocean (George Cloony) mit zehn anderen Gangstern einen ausgefuchsten Plan entwirft, um drei Casinos in Las Vegas um 150 Millionen Dollar zu erleichtern. Kriminelle Machenschaften mĂĽssen aber nicht immer von langer Hand geplant sein.

2017 entkam ein Spieler in Berlin-Mitte mit einem vierstelligen Betrag aus einem Casino. Der Witz an der Geschichte: Der Mann wollte „lediglich“ seinen verspielten Einsatz beim Roulette retten, denn er hatte das Bargeld auf die falsche Farbe gesetzt und versuchte zu türmen, ehe der Croupier den Einsatz einstreichen konnte. Später konnte der schlechte Verlierer allerdings geschnappt werden. 1

Es geht auch wie im Film

Bei dem Gelegenheitsdiebstahl in Berlin kam es zwar auch zu Handgreiflichkeiten mit dem Sicherheitspersonal, ernsthaft verletzt wurde dort jedoch niemand. Ein deutlich höheres Gewaltpotenzial haben jedoch Raubzüge mit Schusswaffen. Diese erinnern auch viel mehr an das, was wir gemeinhin aus Filmen kennen. Ein Beispiel hierfür ist ein Vorfall aus dem Jahr 2010 in der Stadt Basel (Schweiz). 2

Dort drangen zehn vermummte und mit Maschinenpistolen bewaffnete Räuber in das bekannte Grand Casino ein. 600 Gäste waren zu der Zeit auf mehreren Etagen vor Ort. In den Tresor schafften es die Räuber zwar nicht, doch die Kassenbereiche im Ober. Und Untergeschoss wurden um mehrere 100.000 Schweizer Franken erleichtert. In zwei Fluchtfahrzeugen entkamen die Täter über die nahe gelegene französische Grenze. Glück im Unglück für das Casino und seine Besucher: Trotz des Gebrauchs der Schusswaffen wurde niemand ernsthaft verletzt.

Schon die Kleinen spielen mit

Es sind jedoch nicht nur organisierte Banden, die mit Sturmmaske und Maschinenpistolen auf Raubzug gehen. Auch Jugendliche wurden in der Vergangenheit immer wieder Täter. So zum Beispiel ein Trio aus 17-jährigen, welches in den Jahren 2017 und 2018 gleich mehrere Spielhallen in und um Wuppertal in Nordrhein-Westfalen ausraubte. Die Teenager gingen dabei immer gleich vor: Ein unmaskierter Jugendlicher sondierte die Lage, bevor die anderen beiden mit Messern oder Schusswaffen(-attrappen) die Angestellten bedrohten. So konnten sie die Kassen leeren und entkommen. Erst durch eine DNA-Spur kam die Polizei in NRW den Kids auf die Spur.3

Die klassische Methode

Nicht immer sind es maskierte Räuber und Schusswaffen, die einem Casino zu schaffen machen. Dass es auch dezenter geht, zeigte eine Gruppe Chinesen im Casino Bregenz (Österreich). Letztes Jahr ergaunerten die Fünf ca. 95.000 € beim Baccarat. Die Gruppe spielte mit gezinkten Karten, um das Casino finanziell zu erleichtern. Sie taten dies, in dem sie erst mit höheren Einsätzen spielten, nachdem sie alle Spielkarten mit Markierungen versehen hatten. Denn einige Mitglieder der Gruppe präparierten während des Spiels die Karten durch Knicke und Einkerbungen mit dem Fingernagel. Doch das Casino kam den Chinesen dank Videoaufzeichnungen auf die Schliche. Mehrere Monate Gefängnis waren der Lohn für die Betrüger. Die 95.000 € mussten zudem zurückgezahlt werden. 4

Betrug mit digitaler Hilfe

Dass sich reale und digitale Welt immer mehr überschneiden, zeigt der Fall eines russischen Hackerkollektivs. Nachdem Glücksspiel 2009 in Russland de facto verboten wurde, kauften Kriminelle einige Spielautomaten von ehemaligen Casinos. Sie entschlüsselten damit, was vor ihnen ein großes Geheimnis geblieben war. Denn Spielautomaten funktionieren mit einem speziellen Algorithmus, der dem Casino langfristig Gewinne garantiert. Durch die Einsicht in das Innenleben der gekauften Automaten hatten die Gangster Zugriff auf den Code. Grob gesagt funktionierten die Geräte des betroffenen Spielautomatenherstellers so, dass bestimmte Zeitpunkte zu Gewinnen führten.

Nun ging es für die Mitglieder der Bande in Casinos auf der ganzen Welt. Dort filmten sie bei Spielen mit geringen Einsätzen die Spiele und schickten das Videomaterial nach Sankt Petersburg. Die Analyse zeigte den Betrügern dann, zu welchem Zeitpunkt der Spieler den Knopf drücken müsse, um zu gewinnen. Eine eigens entwickelte App auf dem Smartphone in der Hosentasche sorgte dann für ein Vibrationssignal und der Betrüger machte bis zu 1300 Dollar pro Automat. Die Hacker konnten auf diese Weise Millionen von Dollar erbeuten. 5

Raubzug im Internet

Durch das sogenannte „Internet der Dinge“ sind immer mehr Geräte miteinander vernetzt, von denen man es eigentlich nicht glauben mag. Diese Digitalisierung des eigenen Zuhauses bereitet besonders Datenschützern immer mehr Sorgen. Dass die Bedenken nicht ganz falsch sind, zeigt ein Fall aus dem Jahr 2017. Denn ein Casino in den USA hatte dort ein Aquarium an das hauseigene Netz angeschlossen, um beispielsweise die Fütterung der Fische automatisch zu regulieren. Das machte sich ein Hacker zunutze und drang zuerst in die Steuerung des Fischbeckens ein, bevor er von dort die Sicherheitssysteme des Casinos selbst überwinden konnte. 6

Mit der Maschinenpistole auf die Datenautobahn

Nachdem wir einige Beispiele gesehen haben, wie Kriminelle im Real Life Casinos ausgenommen haben, stellt sich natürlich die Frage, ob so etwas auch in der digitalen Welt möglich ist. Immerhin werden Online Casinos immer beliebter und auch hier sind hohe Gewinne möglich. Nun liegt es aber in der Natur der Sache, dass Gauner und Ganoven nicht einfach mit Sturmmaske und Maschinenpistole in ein digitales Casino eindringen können. Hier bleiben nur die Möglichkeiten von Hacking und Manipulation. Doch das ist gar nicht so einfach und gelingt, wenn überhaupt, nur Profis, die sich seit Jahren mit der entsprechenden Technologie auseinandersetzen.7 Unsere drei Jungs aus Wuppertal hätten hierbei keine Chance.

Betrug gibt es auf beiden Seiten

Kriminelle Energie kann es aber auf beiden Seiten des Spieltisches geben. Während ein klassisches Casino um seinen guten Ruf fürchten muss, sind dubiose Internetanbieter häufiger anzutreffen. Diese sitzen meistens in Ländern, in denen die Vorschriften und Lizenzvergaben eher stiefmütterlich behandelt werden. Da kann es durchaus einmal vorkommen, dass die Spieler sehr weit über den Tisch gezogen werden, selbst wenn das Online Casino mit „Live Roulette“ oder „Live Baccarat“ wirbt. Das sind im Endeffekt abgekartete Spiele, die von Laien nur schwer zu durchschauen sind. Wenn Online Casinos ihre eigene Software manipulieren, um den Spielern das Geld aus der Tasche zu ziehen, spricht man übrigens von Schwarzem Betrug. Darüber hinaus gibt es auch den Grauen Betrug, bei dem zwar die digitalen Spielautomaten und Online Spieltische vorschriftsmäßig funktionieren, das Casino selbst aber in die Trickkiste greift. In diesen Fällen sucht das Online Casino nach Gründen, um die erfolgreichen Spieler nicht ordnungsgemäß auszahlen zu müssen.

Mal eben in die Karten schauen

Ein besonders dreister Fall ereignete sich allerdings in Australien, denn hier hatten Mitarbeiter einer Pokerplattform die eigene Software manipuliert, um in die Karten der anderen Spieler schauen zu können. So konnten sie aus 13 von 14 Händen als Gewinner hervorgehen. 8 Insgesamt ergaunerte die Bande so umgerechnet 5,5 Millionen Euro über einen Zeitraum von drei Jahren. Erst ein aufmerksamer Mitspieler deckte das Falschspiel auf, indem er aufmerksam den Spielen folgte und die gesammelten Daten der zuständigen Behörde übergab. Das Pikante an der Sache war jedoch, dass die Firmenbosse der Pokerplattform schon zuvor von dem Fall Wind bekamen. Doch anstatt die eigenen Mitarbeiter anzuzeigen, versuchten sie die Sache unter den Teppich zu kehren.

Der durchschnittliche Spieler als Casinoräuber?

Wer ganz normal ab und an ein Spielchen im Netz wagt, wird wohl kaum zum Gangster werden. Auch die Gelegenheit macht hier keine Diebe, wie es bei unserem Beispiel aus Berlin der Fall war. Die Möglichkeiten zur Manipulation von Spielautomaten oder dem Zinken von Karten gehen gegen Null. In seriösen Online Casinos ist das Spiel daher immer noch das, was es eben ist: ein Glücksspiel. Doch wer hier spielt, hat sogar etwas bessere Karten als der Spieler im echten Leben. Denn der Hausvorteil des Online Casinos fällt oft genug geringer aus, da der Betrieb des digitalen Casinos weniger kostenintensiv ist.

Besser auf den richtigen Bonus setzen

Wer als digitaler Spieler seinen eigenen Vorteil ausbauen möchte, ohne gleich eine Ausbildung zum Hacker anzufangen, der sollte sich nach den richtigen Boni und Freispielen umschauen. Auch damit steigert man den eigenen Vorteil und kann vielleicht ein bisschen mehr Geld herausholen, als es sonst der Fall wäre. Zahlreiche Casinos bieten unterschiedliche Freispiele oder Boni für das Aufladen der eigenen Börse an. Das ist nicht kriminell und erhöht trotzdem die Chancen auf einen großen Gewinn.

Der Unterschied zwischen digitalem und realem Casino

Wie wir gesehen haben, gibt es kriminelle Energie überall dort, wo viel Geld im Spiel ist. Doch während im echten Leben auch Waffengewalt zum Einsatz kommt und Menschenleben gefährdet werden, läuft das digitale Spielvergnügen zumindest etwas ruhiger ab. Hier sind nur selten Gangster und Ganoven in der Lage fette Beute zu machen. Das beruhigt vielleicht auch den durchschnittlichen Spieler, denn am heimischen PC läuft man nicht Gefahr, von einem Überfall auf ein Casino in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Hier kann sich der Spieler noch vollständig auf die Sache selbst konzentrieren: das Spiel.

Tipp: Die Artikel Sicherheit im Online Casino und Top-Ten der Casino-Überfälle im deutschsprachigen Raum passen zum Thema.

 


Referenzen:
1 BILD: Schlechter Verlierer rastet aus. https://www.bild.de/regional/berlin/roulette/schlechter-verlierer-versucht-aus-casino-zu-fluechten-51022834.bild.html. 27. März 2017, abgerufen am 28. Januar 2019
2 SPIEGEL ONLINE: Schwerbewaffnete überfallen Casino in Basel.http://www.spiegel.de/panorama/justiz/beutezug-schwerbewaffnete-ueberfallen-casino-in-basel-a-686056.html. 28. März 2010, abgerufen am 28. Januar 2019
3 WDR: 17-Jährige sollen Wuppertaler Casinos überfallen haben. https://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/jugendliche-sollen-spielhallen-ueberfallen-haben-100.html. 19. September 2018, abgerufen am 28. Januar 2019
4 VOL: Betrug im Casino mit gezinkten Kartenhttps://www.vol.at/betrug-im-casino-mit-gezinkten-karten/6017660. 1. Dezember 2018, abgerufen am 28. Januar 2019
5 20minuten: Hacker räumen Casinos mit einer eigenen App aus. https://www.20min.ch/digital/news/story/Hacker-raeumen-Casinos-mit-einer-eigenen-App-aus-11319396. 7. Februar 2017, abgerufen am 28. Januar 2019
6 Computerbild: Casino-Einbruch: Hacker nutzen smartes Aquarium. https://www.computerbild.de/artikel/cb-News-Sicherheit-Hacker-Angriff-smartes-Aquarium-Darktrace-Casino-Einbruch-18578391.html. 21. Juli 2017, abgerufen am 28. Januar 2019
7 Fabian Geisler: Manipulation oder Hacking von Online Casino Slots: Ist Spielautomaten austricksen möglich? https://hack4life.org/2018/03/29/manipulation-oder-hacking-von-online-casino-slots-ist-spielautomaten-austricksen-moeglich/. 29. März 2018, abgerufen am 28. Januar 2019
8 t-online: Falschspieler erbeuten Millionen bei Online-Poker. https://www.t-online.de/digital/computer/id_16432972/falschspieler-erbeuten-millionen-bei-online-poker.html. 6. Oktober 2018, abgerufen am 28. Januar 2019